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31.03.2014 15:05 Alter: 6 Jahre

"Freiheit und Verzicht"

Fastenpredigt einer unserer Schwestern vom 8. März 2014


Möchten Sie sich ein wenig in der österlichen Bußzeit besinnen und über eine mögliche Verknüpfung von "Freiheit und Verzicht meditieren? Vielleicht interessiert Sie dann folgende "Fastenpredigt" einer Schwester, die sie am 08.03.2014 in Frankfurt-Griesheim auf ausdrückliche Einladung hin gehalten hat:

 

"Freiheit und Verzicht"

 

Liebe Geschwister im Glauben!

 Beginnen möchte ich mit einem Zitat, das uns allen zu denken geben kann, egal, ob man - wie ich - einem Orden angehört oder als „ganz normaler Mensch“ in der Welt lebt:

 

„Verzichten ist Ausdruck der inneren Freiheit. Und die gehört zu unserer Würde.“ (Anselm Grün)

 

Auf dieses Wort möchte ich später noch einmal zurückkommen, damit es Sie während der begonnenen Fastenzeit ein wenig begleiten möge.

 Zunächst kennen und benutzen wir alle ganz selbstverständlich die Bezeichnung „Freiheit“ und haben eine ungefähre Vorstellung davon, was dieser Begriff eigentlich bedeutet. Notfalls können wir in einem Lexikon nachschlagen und werden entdecken, dass es seitenweise Abhandlungen zu diesem Begriff gibt.

Aber die kürzeste und griffigste Definition, die zu finden ist, lautet: 

„Jedes Unabhängigsein, jede Abwesenheit eines Zwanges.“

 Oder etwas präziser:

Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel verstanden als dieMöglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können.“

 Und gewiss ist uns dabei auch die Unterscheidung zwischen der Willensfreiheit (also der Selbstbestimmung des Willens) und der Handlungsfreiheit (also der Selbstbestimmung des Handelns) nicht ganz unbekannt.

Damit wäre zunächst einmal eine kurze Begriffsbestimmung zum Schlüsselwort „Freiheit“ klargestellt.

 Doch gestatten Sie mir, Sie nun mit folgenden zwei Szenen ein wenig zu verwirren:

 ·    1. Szene: Am Eingang eines großen Gebäudekomplexes auf dem Land öffnet sich vollautomatisch ein riesiges Gittertor, ein eben entlassener Häftling schreitet langsam durch das sich noch bewegende Tor, stellt seinen kleinen Koffer neben sich ab, atmet einmal tief durch und ruft dann laut in die Stille hinein: „ENDLICH FREI!“

·    2. Szene: Mitten in einer belebten Stadt schreitet eine junge Frau mit einem Koffer an einer langen Mauer entlang bis zu einem leicht vergilbten Holzportal, an dem mit großen Buchstaben angeschlagen steht „Klosterpforte“. Sie klingelt, eine kleine, ältere Ordensfrau öffnet, sie tritt ein, stellt den Koffer ab, hebt ihre Arme und ruft freudig: „ENDLICH FREI!“

Meine Frage lautet nun: Wer von diesen beiden ist denn nun wirklich frei?!?
Einige von Ihnen werden wohl spontan antworten „Na, selbstverständlich der entlassene Häftling“; andere vielleicht „Na, eine Frau, die in ein Kloster eintritt, ist doch wohl alles andere als frei…“

Ich erinnere hier an die eingangs zitierte Lexikon-Definition des Begriffes Freiheit:

„jede Abwesenheit eines Zwanges“      oder

„die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen und zu entscheiden können“.

Hat der Häftling tatsächlich die Möglichkeit, „ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auszuwählen und zu entscheiden“?! Kann er sich den Arbeitgeber aussuchen, der ihn freudig in seinem Traumberuf einstellt, oder den Vermieter, der ihm sogleich die Traumwohnung vermietet…?! Die Fragen ließen sich noch weiter fortführen, doch möchte ich lieber von derartigen Fragen zu einigen, wie ich hoffe, aufschlussreicheren Antworten auf zwar nicht gestellte, aber doch latent vorhandene Fragen übergehen.

 Und damit werfen wir einen näheren Blick auf die Ordensfrau der zweiten geschilderten Szene, und wenn Sie schon einmal das seltene Glück haben, eine solche vor sich stehen zu haben, dürfen Sie gerne Ihren Blick auf diese, bzw. ihre so außergewöhnliche Lebensform, werfen.

 Freiheit durch Verzicht – Ein Weg zum Glück?!

Im Lukasevangelium findet sich im 14. Kapitel ein Abschnitt über den „Ernst der Nachfolge“. U.a. spricht Jesus dort zu den ihn begleitenden Menschen folgenden Satz (V. 33):

 „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“

 So wundert es nicht, dass im Mittelalter der Verzicht auf persönlichen Besitz zu einem festen Bestandteil der klösterlichen, das bedeutet benediktinischen Lebensordnungen wurde – wir sprechen dabei vom Gelübde der Armut. Im 13. Jahrhundert erfährt dieses Gelübde eine radikale Steigerung durch Franziskus und Klara von Assisi: da sie sich auf ihrem Weg der Nachfolge ausschließlich und unmittelbar an Jesus und seiner vorgelebten Lebensweise orientieren, möchten sie genauso wie dieser materiell völlig ungesichert leben. Für sie bedeutet darum evangelische Armut nicht nur die persönliche, sondern darüber hinaus eben auch die gemeinschaftliche Armut.

Die heilige Klara von Assisi, unsere Ordensgründerin, nach deren Regel wir Klarissen-Kapuzinerinnen ja leben, spricht deshalb in einem erhaltenen Brief an die heilige Agnes von Prag von ihrer hart erkämpften Freiheit, persönlich und gemeinschaftlich „arm den armen Christus zu umarmen“ (2 Agn 18) – sie hat sich die unnachgiebig errungene Erlaubnis, arm im Sinne von absoluter Besitzlosigkeit und damit völliger materieller Ungesichertheit eigens von Papst Gregor IX in einem Armutsprivileg schriftlich ausstellen lassen.

Um es gleich vorweg zu sagen: wir Klarissen, die wir auch noch 800 Jahre nach der heiligen Klara ihre radikale Regel befolgen, leben nicht nur trotz, sondern gerade wegen der völligen Besitzlosigkeit in einer lebendigen Freiheit!

Das mag schwer nachzuvollziehen sein. Denn Besitzlosigkeit hat ja viel mit Verzicht zu tun. Ich stehe hier vor Ihnen als eine Schwester, die kein Portemonnaie in der Tasche stecken hat, ich besitze gar keines, denn ich verfüge über keinen eigenen Cent geschweige denn Euro. Ich lebe in einem Kloster, das rechtlich dem Bistum gehört und uns zur Verfügung steht. Es ist möglichst einfach eingerichtet, auch unsere schöne Kapelle St. Klara ist völlig schlicht gestaltet und verweist in ihrer Schlichtheit auf das Wesentliche: auf die Mitte, die Christus selbst ist in der Gestalt des Brotes inmitten der Monstranz. Wir Schwestern haben uns dazu entschieden, uns für immer an diese Gemeinschaft an diesem Ort mitten in der Stadt Mainz zu binden, ohne Aufgaben außerhalb des Klosters, ohne Versetzungen in ein anderes Kloster, ohne Urlaubszeiten oder irgendwelche Tagesausflüge.

Vielleicht denken Sie nun: „O Gott, die armen Schwestern! Ein Leben lang eingesperrt!“

Nein, Sie brauchen mich nicht zu bedauern, denn ich kann Ihnen versichern, dass ich im Tiefsten meines Herzens glücklich bin! Gewiss hat unser Leben mit viel Verzicht zu tun. Aber im Gegensatz zu so vielen Menschen, die aus einer Not heraus Armut und Verzicht erleben, haben wir diese Armut freiwillig gewählt, sie wurde uns von niemandem aufgezwungen, keiner hat uns gegen unseren Willen ins Kloster gebracht.

Und damit sind wir bei der Definition der Wortes Freiheit vom Beginn angelangt. Da hörten wir davon, „ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können“. Ich habe mich ohne irgendeinen Zwang, d.h. in völliger Freiheit für dieses Ordensleben entschieden. Ich hätte auch weiterhin als fröhliche Lehrerin tätig sein, eine Familie gründen und jährlich in die Schweizer Berge in Urlaub fahren können. Doch ich habe gespürt, dass ich in einem solchen Lebensentwurf mit seinen vielfältigsten Freiräumen nicht das Glück gefunden habe und mich damit nicht zufrieden geben konnte. Ich habe etwas in mir gespürt, das stärker war als „alle Freiheit der Welt“. Ich habe die immer stärker werdende Liebe eines Gottes gespürt, der einen anderen Plan mit mir hatte und der darauf wartete, dass ich in Freiheit darauf Antwort gebe.

Es ist wohl wahr, dass das Loslassen nicht ganz einfach ist, da möchte ich nichts Beschönigen. Und für nichts in der Welt hätte ich alles aufgegeben – außer für IHN. Jesus sagt ja in seinem obigen Zitat „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“

Kehre ich diese Aussage um, lautet sie: „Wenn du auf deinen Besitz verzichtest, bist du mein Jünger, d.h. mein Freund.“ Wenn ich also verzichte, gewinne ich etwas, ich verzichte nicht ins Leere hinein. Der Verzicht macht mich nicht arm, sondern schenkt mir den Reichtum einer Freundschaft – vorausgesetzt, dass es meine freie Entscheidung ist, eine freie Willensentscheidung.

Und gibt es ein größeres Glück, als eine echte Freundschaft?! Eine echte Liebe?!

 Wenn ich mich von Gott geliebt weiß (und er tut es!), dann weiß ich auch, dass er mich in völliger Freiheit liebt, in 100%iger Willens- und Handlungsfreiheit. Er liebt mich nicht nur ein bisschen, nicht nur, wenn ich so oder so bin, er liebt also nie unter dem Vorbehalt einer Bedingung. Und ebenso schenkt er sich nicht nur ein bisschen, er schenkt sich ganz, 100%ig – schauen wir doch auf das Kreuz, und das tun wir ja gerade in der Fastenzeit auf besondere Weise: Jesus leidet und stirbt und erlöst nicht nur ein bisschen, er schenkt sich, sein Leben, unsere Erlösung ganz!

Und wir? Wie geizig sind wir so oft im Blick auf IHN. Von meinem Geschaffensein her, von meiner Gottebenbildlichkeit her, bin ich doch eigentlich ganz frei, um auf diese unendlich große Liebe Gottes zu antworten, angemessen zu antworten. Aber ist es nicht so, dass mir dabei so viel im Weg steht?! Je mehr ich besitze (materiell und ideell), umso mehr schiebt sich zwischen Gott und mich. Und ich meine dabei mit Besitz beileibe nicht einfachhin die Höhe meines Kontostandes oder die Anzahl meiner Wertgegenstände. Die Frage ist ja: „Woran hängt mein Herz? Was nimmt mich in Besitz, so sehr, dass es mich unfrei macht?“ Je abhängiger ich von materiellen Dingen bin, umso mehr schwindet meine innere Freiheit, umso weniger kann ich in Freiheit meine Gottbeziehung gestalten. Oder umgekehrt: je größer meine innere Unabhängigkeit von äußeren Dingen ist, umso größer ist meine innere Freiheit und umso näher komme ich Gott, da weniger zwischen uns steht.

Und seien wir `mal ehrlich: tragen wir nicht alle diese Sehnsucht in uns, Gott nahe zu sein?! Sie genauso wie ich?! Sie wären jetzt nicht hier, wenn dem nicht so wäre! Im Glauben wissen wir, dass Gott uns nahe sein will und dass er uns tatsächlich und real nahe ist (in ganz verdichteter Form erleben wir dies ja u.a. bei jeder Eucharistiefeier). Und wir?! Wie nahe kommen wir ihm, wie sehr kommen wir ihm entgegen?

In dieser Hinsicht ist die Fastenzeit eine ganz wichtige Gelegenheit, sich in der „Gottesnähe einzuüben“. Wenn Lieben nur in wirklicher Freiheit geschehen kann und ich in meiner Liebe zu Gott wachsen will, dann setzt dies meine zunehmende innere Freiheit voraus. Und um darin wachsen zu können, verhilft mir die Bereitschaft zum Verzichten. Aber ein Verzichten in dem Sinne, wie ich es eben darzulegen versucht habe: ein freiwilliges Verzichten; weder ein Verzichten ins Leere hinein (wenn ich z.B. nur faste, weil es halt zurzeit alle tun oder weil es der Herr Pfarrer so eindringlich nahegelegt hat, ohne dass ich es wirklich will), noch ein bloßes Verzichten der angenehmen Begleiterscheinungen wegen (z.B. weil ich eine Menge Geld spare, wenn ich aufs Rauchen oder den Alkohol oder die Schokolade verzichte, oder weil ich durch das Fasten meinem Idealgewicht wieder näher kommen kann). Der Verzicht, das Fasten soll mir ja dabei helfen, freier und unabhängiger vor Gott stehen zu können, die Freundschaft mit ihm zu vertiefen und in der Liebe zu ihm und damit auch zu den Menschen zu wachsen.

 Vielleicht ist es von hier aus nun zu verstehen, dass in der Regel der heiligen Klara steht „Die Schwestern sollen allezeit fasten.“ Nicht der Strenge der Askese wegen, nicht, um sich einen günstigen Platz im Himmel zu verdienen, nicht, weil dies Außenstehende beeindrucken oder weil dies die angemessene Gegenleistung für die zugewandten Spenden sein soll. Die Schwestern sollen allezeit fasten, um innerlich immer freier zu werden von Unwesentlichem, um immer tiefer hineinzuwachsen in die Freundschaft mit Gott und – dies ist der Grund, warum ich hier stehe – um für andere ein Zeichen zu sein, dass es sich lohnt, in der Nähe Gottes zu leben, dass es sich lohnt, seiner Sehnsucht nach Gott nachzugeben und dass es sich lohnt, in aller Freiheit Gott Raum zu schenken!

Nun können und sollen Sie ja nicht alle in ein Kloster eintreten, das brauchen Sie auch nicht, sofern Sie nicht dazu berufen sind. Aber Sie können sich Zeiten in Ihrem Leben reservieren, um sich einzuüben im Wachsen der inneren Freiheit, im Wachsen in der Liebe und im Wachsen in der Freundschaft zu Gott. Was liegt da näher, als gerade die Fastenzeit dazu zu nutzen?!

 Also: was können wir mitnehmen in diese Fastenzeit?

 „Verzichten ist Ausdruck der inneren Freiheit. Und die gehört zu unserer Würde.“ (Anselm Grün)

 Ich hoffe sehr, dass spätestens mit diesem Zitat deutlich geworden ist, wie sehr Freiheit und Verzicht miteinander verwoben sind. Das gestellte Thema „Freiheit und Verzicht“ konnte diese beiden Begriffe nicht als Gegensatzpaar im Sinne von „entweder – oder behandeln“, denn ein Wort schließt das andere nicht aus, sondern ein.

Dies möchte ich gerne kurz in drei Punkten verdeutlichen und entfalten, damit Sie für Ihren (vielleicht schon gefassten) Fastenvorsatz im Hinblick auf einen echten und würdevollen Verzicht etwas zum Nachspüren mitnehmen können.

1. Verzicht in Freiheit

2. Freiheit im Verzicht

3. Freiheit durch Verzicht

 Zu 1: Verzicht in Freiheit

Wahrer, echter Verzicht setzt die Freiheit voraus.

Insofern ist es ganz wichtig, sich wirklich frei für einen gewissen Verzicht zu entscheiden und nicht von außen die Entscheidung beeinflussen oder gar abnehmen zu lassen. Ein Verzicht in Freiheit ist ganz wesentlich, damit ich mit einem tatsächlich von mir realisierbaren Vorsatz auch innerlich weiterwachsen kann und den Vorsatz zum guten Schluss nicht einfachhin nur abhake. Verzicht in Freiheit bringt mich Gott immer ein Stückchen näher!

 Zu 2: Freiheit im Verzicht

Verzichten ist immer auch Ausdruck der inneren Freiheit.

Wie leicht oder wie schwer mir ein Verzicht fällt, hängt stark von meiner inneren Freiheit ab.

Eine gute Basis für meine innere Freiheit ist freilich ein gesundes Selbstvertrauen, das gleichzeitig in einem starken Glauben gründet. Bei Pater Anselm Grün habe ich einmal gelesen: „Wer nicht verzichten kann, entwickelt auch kein starkes Ich. Das heißt, wer immer seinen Bedürfnissen nachgeben muss, wird irgendwann der Sklave seiner Bedürfnisse.“

Positiv formuliert hieße das: Wer verzichten kann, hat ein gesundes Selbstvertrauen, ein starkes Ich und kann sich von seinen Bedürfnissen unabhängig, also frei machen.

Es liegt folglich viel Freiheit dem Verzicht zugrunde, so dass mich der Verzicht nicht mürrisch zu machen braucht, da er die Würde meiner inneren Freiheit aufleuchten lässt – und in dieser Freiheit kann ich dann auch frei vor Gott stehen.

 Zu 3: Freiheit durch Verzicht

Verzicht aus freiem Willen setzt in Freiheit.

Es bleibt also nicht ohne Wirkung, wenn ich Verzicht übe. Echter Verzicht setzt nicht nur die Freiheit voraus, sie setzt auch Freiheit frei. Durch meinen Verzicht nimmt meine innere Freiheit zu, was wiederum mein Selbstvertrauen stärkt und mir hilft, mich mehr mit dem Wesentlichen zu beschäftigen.

Insofern hilft mir jeder noch so kleine, aber echte und freie Verzicht, innerlich immer freier zu werden. Wenn ich also in meiner Freiheit wachsen möchte, ist gerade das Verzichtüben ein ideales Mittel. Diese Erkenntnis ermöglicht es mir, nicht auf das zu schauen, woran es mir gerade mangelt, sondern auf das, was ich innerlich gewinne.

Dies ist übrigens auch die Möglichkeit, besser mit von außen auferlegtem Verzicht umgehen zu können, dem wir ja alle seit unserer Geburt unausweichlich ausgesetzt sind. Kann ich mir auch sogenannte Schicksalsschläge weder aussuchen noch sie abwenden, so kann ich mich jedoch dazu entscheiden, sie in Freiheit anzunehmen; diese Freiheit kann mir niemand nehmen. Und dann kann mich der angenommene Verzicht wiederum so sehr stärken, dass er mich in meiner inneren Freiheit wachsen und mich mit einer größeren Reife vor Gott stehen lässt – und damit auch mit einer größeren Liebe.

  (Lassen Sie mich noch einmal die drei Leitgedanken kurz zusammenfassen:

 1. Wahrer, echter Verzicht setzt die Freiheit voraus – Verzicht in Freiheit

2. Verzichten ist immer auch Ausdruck der inneren Freiheit – Freiheit im Verzicht

3. Verzicht aus freiem Willen setzt in Freiheit – Freiheit durch Verzicht )

 

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Zum guten Schluss möchte ich Ihnen nach diesen umfangreichen Ausführungen gerne noch etwas Mut machendes mitgeben für Ihren persönlichen Weg:

1.

Der Apostel Paulus schreibt an die Galater(Gal 5,13):

„Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder…“ und ich darf ergänzen „Schwestern“.

Also keine Sorge, liebe Schwestern und Brüder, wir brauchen die Freiheit nicht zu erfinden, denn sie ist in uns schon Grund gelegt, wir sind dazu berufen! Dies ist eine sichere Zusage, die uns sehr entlasten kann. Wir sind berufen zur Freiheit; tun wir das unsere dazu, damit sie sich entfalten kann.

 2.

Lassen wir uns auf unserem Weg von den Heiligen inspirieren

Wer glaubt, ist nie allein. Wir sind teil einer Glaubensgemeinschaft, in der wir uns nicht nur gegenseitig stärken können, sondern auch auf diejenigen schauen dürfen, die vor uns ihren Weg gegangen sind.

Es liegt nahe, dass ich außer auf unsere Ordensgründerin, die heilige Klara, sehr gerne auf meinen Namenspatron, den heiligen Franziskus, blicke und mich an seinem Weg der Nachfolge orientiere. So schreibt sein Mitbruder und Biograf Thomas v. Celano über ihn:

„Schließlich nannte er alle Geschöpfe „Bruder und Schwester“ und erfasste in einer einzigartigen und für andere ungewohnten Weise mit dem scharfen Blick seines Herzens die Geheimnisse der Geschöpfe; war er doch schon zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes gelangt.“

Die Formulierung zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes gelangt aus dem Römerbrief (Röm 8, 21) beschreibt ja unser aller Ziel. Und wenn es Heilige gibt, die schon zu Lebzeiten zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes gelangt sind, so ermutigt es auch uns, uns auf dieses Ziel hin zu bewegen. Es ist möglich, es zu erreichen, es liegt in unserer Freiheit, uns auf den Weg zu machen.

 Und 3.

Wiederum ein Wort des Apostels Paulus (2.Kor 3,17):

 „Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.“

 Wir sind nicht nur nicht allein, sondern wir können uns darauf verlassen, dass der Geist des Herrn wirkt. Und wo er wirkt (wirken kann und darf), da ist Freiheit. Und so gilt mein letzter Gedanke der großen Bedeutung und auch Wirkkraft des Gebetes, mit dem wir den Heiligen Geist herabflehen können.


So möchte ist das letzte Wort niemandem anderen überlassen als unserem verehrten Heiligen Vater, Papst Franziskus, der in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ im Abschnitt 280 schreibt:

„Es gibt aber keine größere Freiheit, als sich vom Heiligen Geist tragen zu lassen, darauf zu verzichten, alles berechnen und kontrollieren zu wollen, und zu erlauben, dass er uns erleuchtet, uns führt, uns Orientierung gibt und uns treibt, wohin er will. Er weiß gut, was zu jeder Zeit und in jedem Moment notwendig ist.“

 

Ich wiederhole: „Es gibt aber keine größere Freiheit, als sich vom Heiligen Geist tragen zu lassen…“

 

Beten und bitten wir um diese seine Erleuchtung.    AMEN.

 Sr. mfk

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Wenn niemand mehr verzichten kann, ist die Freiheit gefährdet. (Pius XII)